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Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft




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VDP Berlin-Brandenburg: "Erklärung der AGFS Berlin zur Volksinitiative Schule in Freiheit" PDF Drucken E-Mail

Am 10. März 2011 werden die Anliegen der erfolgreichen Volksinitiative „Schule in Freiheit“ in öffentlicher Sitzung vom Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses beraten. Aus diesem Anlass erklärt die Arbeitsgemeinschaft der Schulen in freier Trägerschaft Berlin (AGFS Berlin):

Wir hoffen, dass die von den Initiatorinnen und Initiatoren der Volksinitiative in der erfolgreichen Unterschriftensammlung aufgeworfenen Fragen, angemessen erörtert werden. Dass auch die Schulen in freier Trägerschaft im Fokus der ersten erfolgreichen Volksinitiative auf der Berliner Landesebene stehen, zeigt den hohen Stellenwert des Themas in breiten Kreisen der Berliner Bevölkerung. Die Volksinitiative hat einige grundlegende Aspekte unseres Schulsystems zur Debatte gestellt. Die AGFS Berlin wird sich an der Diskussion gerne beteiligen. 

Zu den einzelnen Forderungen der Volksinitiative erklären wir:

Pädagogische Freiheit. Schulen sollen die Inhalte und die Qualitätsmaßstäbe ihrer Arbeit selbstständig gestalten können.
Pädagogische Freiheit ist eine zentrale Motivation. Viele Schulen – ob in kommunaler, staatlicher oder freier Trägerschaft – erproben immer wieder neue pädagogische Konzepte im Schulalltag. Viele heute anerkannte Ansätze, wie Koedukation, Mädchenbildung, Ganztagsschule, vorschulische Bildung etc. durchliefen hier den Test auf Praxistauglichkeit, bevor das staatliche Bildungssystem sie übernahm. Ob im Laufe der Debatte ein einheitlicher Kernkanon stehen wird oder nicht: Die Freiheit, sehr unterschiedliche Wege zum selben Abschlussziel zu beschreiten, bedarf des offenen Raumes und muss erhalten bleiben. Allein, die Aufsicht darüber gehört in die Hände einer unabhängigen Institution. Wie kann die pädagogische Freiheit verantwortlich gestärkt werden, ohne dass ein Übermaß staatlicher Regelungen die Bildung zur Verwaltungsaufgabe reduziert?

Die Notwendigkeit vergleichbarer Abschlussstandards allein ist kein Beitrag zu besserer Qualität: Die kreative Kraft im pädagogischen Diskurs zu nutzen, um beispielsweise über „Best Practice“ gute Beispiele zu würdigen und andere zum Nachahmen zu ermutigen, verlangt Unterstützung. Dies kann nicht häufig genug geschehen.

Des Weiteren ließe sich pädagogische Arbeit qualitativ weiterentwickeln, wenn mehr Lehrkräfte ermutigt und befähigt werden, für ein oder zwei Schuljahre – nicht nur im Ausland – einen Schultausch vorzunehmen, um den Blickwinkel zu erweitern. So zentral das Kollegium, so wichtig Kontinuität sein mögen, so bedeutsam sind Wechsel und realer Austausch. Dies kann auch über die Grenzen der Trägerschaft hinausgehen, der freie Träger, der kommunale Träger…

Gleichberechtigte Finanzierung. Die Schulen in staatlicher und freier Trägerschaft sollen ohne Schulgeld zugänglich sein.
Eine gleichberechtigte Finanzierung von Schulen unabhängig von ihrer Trägerschaft ist auch ein Ziel der AGFS Berlin. Dies entspräche dem Grundsatz der Gleichwertigkeit aller schulpflichtigen Kinder, egal für welche Schule sie oder ihre Eltern sich entscheiden. Siehe hierzu auch unser Papier „Bildung braucht Verlässlichkeit“. Eine transparente und gleichberechtigte Finanzierung wäre auch für staatliche Schulen ein Zugewinn. So könnte nachvollzogen werden, welcher Anteil der Schulkosten wirklich in den Schulen ankommt. Die künftige Schulfinanzierung muss stärker die unterschiedlichen Bedingungen und Aufgaben von Schulen berücksichtigen.

Selbstständige Organisation. Alle Schulen, die es wollen, sollen die weitestgehende organisatorische Selbstständigkeit erhalten.
Eine pädagogisch freie und finanziell gleichberechtigt ausgestattete Schule braucht auch organisatorische Selbständigkeit in verlässlichen Rahmenbedingungen. Die organisatorische Selbstständigkeit erfordert viel Mut von den Schulen selbst, aber auch von denen, die in der jetzigen Struktur glauben, über politische oder organisatorische Einflussnahme besonders auf staatliche Schulen, Bildung steuern zu können. Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass sich das Wagnis lohnt.


Die Arbeitsgemeinschaft der Schulen in freier Trägerschaft Berlin ist der freiwillige Zusammenschluss nicht-staatlicher Bildungseinrichtungen. Unser Ziel ist die Sicherstellung freier Bildung im Land Berlin.

Berlin, 23. Februar 2011
  • Dr. Detlef Hardorp, Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg
  • Martin Hoyer, Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.V.
  • Roland Kern, Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) e.V.
  • Klaus Mertes, Rektor des Canisius-Kollegs
  • Frank Olie, Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
  • Hans-Peter Richter, Dezernatsleiter Schule, Hochschule und Erziehung im Erzbistum Berlin
  • Andreas Wegener, Vorsitzender des VDP LV Berlin/Brandenburg